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Was Menschen tragen können — und wo die Grenze liegt (3/6)

Keine Absage an Freundschaft. Eine Entlastung für sie.

Dieser Teil könnte missverstanden werden, deshalb gleich vorweg: Es geht hier nicht darum, Menschen abzuwerten, um Gott besser dastehen zu lassen. Im Gegenteil.

Was Menschen wirklich können

Die Bibel ist erstaunlich unromantisch, wenn es um den Nutzen von Gemeinschaft geht. Der Prediger — derselbe nüchterne Beobachter aus anderen Serien — rechnet es fast betriebswirtschaftlich vor: Zwei sind besser als einer, denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer, richtet der andere ihn auf — wehe dem, der allein ist und fällt. Und: Wenn zwei beieinander liegen, wird ihnen warm; wie aber kann einem einzelnen warm werden? Prediger 4,9-12.

Das ist kein frommes Beiwerk. Das ist die klare Aussage, dass Menschen einander wirklich brauchen — praktisch, körperlich, konkret. Wer daraus „ich brauche nur Gott" macht, liest das Gegenteil von dem, was dasteht.

Wo die Grenze liegt

Und trotzdem gibt es eine Grenze, und die Bibel benennt sie ebenso deutlich. Beim Propheten Jeremia steht ein Doppelbild, das den Unterschied zeigt.

Verflucht sei der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht — er wird sein wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nichts kommen sieht, wenn Gutes kommt. Gesegnet aber der Mann, der auf den HERRN vertraut: Er wird sein wie ein Baum am Wasser, der seine Wurzeln zum Bach ausstreckt — er fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt, und in einem Dürrejahr ist er nicht besorgt: Jeremia 17,5-8.

Das Bild ist präzise. Beide Pflanzen stehen in derselben Landschaft; beide erleben dieselbe Dürre. Der Unterschied ist nicht das Wetter, sondern die Tiefe der Wurzel.

Die Entlastung, die darin steckt

Praktisch heißt das etwas, das Beziehungen eher rettet als beschädigt: Kein Mensch kann für dich der Grund sein, ohne daran kaputtzugehen.

Wer von einem Partner, einem Freund oder einem Kind erwartet, die Grundeinsamkeit zu beenden, legt eine Last auf, die niemand tragen kann — und wird zwangsläufig enttäuscht. Nicht, weil der andere zu wenig liebt, sondern weil die Aufgabe zu groß ist.

Wer dagegen woanders verwurzelt ist, kann Menschen als das nehmen, was sie sind: kostbar, begrenzt, sterblich. Das macht Nähe leichter, nicht kälter. Man muss dann nicht mehr ständig prüfen, ob der andere genug gibt.

Der ehrliche Rest

Es bleibt trotzdem wahr: Auch mit tiefer Wurzel bleibt ein Abend allein ein Abend allein. Die Bibel verspricht hier keine Betäubung. Sie verspricht einen Grund unter dem Gefühl, nicht statt des Gefühls.

Wie es weitergeht

Im nächsten Teil geht es um die Person, um die es die ganze Zeit geht — und um eine Frau, die ganz allein in der Wüste einen Namen für ihn erfand, den es vorher nicht gab.