„Ich bin bei euch alle Tage" (6/6)
Nicht „du wirst dich nie mehr einsam fühlen". Etwas Besseres.
Sechs Wochen, eine Frage: Warum bin ich einsam — selbst unter Menschen? Der Weg in einem Absatz: Diese Einsamkeit ist kein Mengenproblem und kein Charakterfehler; „nicht gut, dass der Mensch allein sei" steht vor jedem Sündenfall. Menschen können viel tragen, aber nicht den Grund bilden — das überfordert sie. Einer kennt dich bereits vollständig, und der erste, der ihn „der Gott, der mich sieht" nannte, war der unwichtigste Mensch der Szene. Schwer ist nicht das Glauben, sondern das Sich-Zeigen.
Heute: die Zusage, auf die das zuläuft.
Was zugesagt ist — und was nicht
Es wäre unehrlich, hier zu versprechen, dass das Gefühl verschwindet. Das steht auch nirgends.
Was dasteht, ist etwas anderes und Nüchterneres. Der letzte Satz des Matthäusevangeliums lautet: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters: Matthäus 28,20.
„Alle Tage" — nicht an guten Tagen. Nicht, wenn du es spürst.
Im Hebräerbrief wird daraus eine Zusage in doppelter Verneinung, die im Original fast trotzig klingt: Ich will dich nicht versäumen und nicht verlassen: Hebräer 13,5.
Und Jesus sagt seinen Leuten vor dem Abschied ausdrücklich: Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen — ich komme zu euch: Johannes 14,18.
Waise ist ein hartes Wort. Es meint nicht „ohne Gesellschaft", sondern „ohne den, zu dem man gehört". Genau darauf zielt die Zusage.
Der Schritt
Er braucht keine Vorkenntnisse und keine gute Verfassung:
- Sagen, wie es ist. Dass du einsam bist. Ohne es zu rechtfertigen.
- Vertrauen, dass Jesus gekommen ist, damit niemand als Waise zurückbleibt — auch du nicht.
- Dazugehören wollen. Ihn bitten, dass aus dem Gekanntsein eine Beziehung wird.
Wenn du das willst, kannst du es jetzt tun — mit eigenen Worten oder ungefähr so: „Jesus, ich bin einsam, auch unter Menschen. Ich glaube, dass du mich siehst und nicht vergisst. Vergib mir, dass ich mich verstecke. Ich möchte zu dir gehören. Danke, dass du bleibst." Kein Zauberspruch — Gott hört auf das Herz, nicht auf die Formulierung.
Und danach? Zwei Dinge, und das zweite ist nicht optional: reden und zuhören (Gebet und das Johannesevangelium, eine halbe Seite am Tag) — und Menschen suchen. Wer diese Serie so liest, als bräuchte er jetzt keine Menschen mehr, hat Teil 3 überlesen. Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Melde dich bei uns, wir stellen gern einen Kontakt in deiner Nähe her. Das ist bei dieser Frage der wichtigste Satz der ganzen Serie.
Ein Wort zur Vorsicht
Wenn die Einsamkeit sehr schwer wiegt — wenn du dich seit Langem zurückziehst, nichts mehr Freude macht oder Gedanken kommen, dass es ohne dich einfacher wäre —, dann ist das mehr als die Frage dieser Serie. Es gibt dafür Hilfe, und sie zu holen ist kein Versagen. Sprich mit deinem Hausarzt, oder ruf die Telefonseelsorge an: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 — kostenlos, rund um die Uhr, anonym.
Du darfst. Du musst nicht.
Vielleicht bist du noch nicht so weit. Auch das ist eine redliche Antwort. Dann nimm wenigstens das mit: Dass du dich nach echtem Gesehenwerden sehnst, ist kein Fehler an dir — es ist die Bauart. Und es gibt jemanden, der behauptet, genau dafür da zu sein.
Danke, dass du bis hierher mitgegangen bist.