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Wunschdenken? Dann ist es schlecht gemacht. (4/7)

Wer eine Legende erfindet, macht sich nicht zum Feigling darin.

Der zweite große Einwand hat zwei Hälften. Beide sind ernst zu nehmen.

Hälfte 1: „Das ist doch nur Wunschdenken"

Der Gedanke: Menschen haben Angst vor dem Tod und wünschen sich Sinn — also erfinden sie einen Vater im Himmel. Der Glaube erklärt sich aus dem Bedürfnis, nicht aus der Wirklichkeit.

Das ist ein starker Verdacht. Nur beweist er nichts. Dass ich mir etwas wünsche, macht es weder wahr noch falsch. Ein Durstiger wünscht sich Wasser — daraus folgt weder, dass die Oase eine Fata Morgana ist, noch dass sie echt ist. Der Wunsch sagt etwas über den Wünschenden, nichts über den Gegenstand.

Vor allem aber: Wenn hier jemand eine Wunschgeschichte erfunden hätte, wäre sie erstaunlich schlecht gemacht. Eine Wunschreligion würde ihre Helden nicht so darstellen. Die Hauptfiguren des Neuen Testaments sind Feiglinge im entscheidenden Moment: Sie streiten um Rangfolgen, sie schlafen ein, sie fliehen, der Wortführer leugnet dreimal. Die ersten Zeuginnen der Auferstehung sind Frauen — deren Aussage im damaligen Rechtsverständnis wenig galt. Wer eine Legende baut, baut sie anders.

Hälfte 2: „Die Bibel ist unzuverlässig"

Auch das ist prüfbar — und hier wird es interessant, weil die Texte selbst offenlegen, wie sie entstanden sind.

Lukas beginnt sein Evangelium mit einer Art Quellenangabe: Viele hätten bereits versucht, einen Bericht zu verfassen, so wie es die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen waren. Er selbst habe allem von Anfang an sorgfältig nachgeforscht und schreibe es der Reihe nach auf — damit der Adressat die Zuverlässigkeit der Dinge erkenne, in denen er unterrichtet wurde: Lukas 1,1-4.

Das ist die Sprache eines Rechercheurs, nicht eines Mythenerzählers.

Noch bemerkenswerter ist eine Stelle bei Paulus. Er zählt auf, wem der Auferstandene erschienen sei, und nennt dabei über fünfhundert Menschen auf einmal — mit dem Zusatz, die meisten von ihnen lebten noch: 1. Korinther 15,3-8.

Dieser Zusatz ist ein Risiko, das kein Fälscher eingeht. Er bedeutet: Geh hin und frag sie. Solche Sätze schreibt man nur, wenn man die Überprüfung nicht fürchtet.

Was das leistet — und was nicht

Auch hier bleibt Ehrlichkeit angebracht. Das macht die Berichte nicht automatisch wahr. Zeugen können sich irren. Es zeigt aber, dass wir es mit Behauptungen zu tun haben, die sich überprüfbar geben — mit Namen, Orten, Zeiten und dem ausdrücklichen Hinweis, dass man nachfragen kann.

Damit ist die Frage nicht mehr „Ist das Mythos oder Wissenschaft?", sondern die viel normalere: Sind diese Zeugen glaubwürdig?

Wie es weitergeht

Im nächsten Teil geht es um das, was die Bibel selbst als das stärkste Argument darstellt — und es ist kein Argument, sondern ein Ereignis: Der Gesuchte hat sich nicht erklären lassen. Er ist gekommen.