Diese Frage ist kein Angriff auf den Glauben (1/7)
„Mein Gott, warum?" — dieser Satz stammt von Jesus selbst.
Es ist die älteste Frage überhaupt, und wer sie stellt, tut das meistens nicht aus Neugier. Meistens ist etwas passiert.
Du hast diese Frage ausgewählt. In den nächsten Wochen bekommst du dazu sieben Mails. Sie werden dir keine Erklärung liefern, die das Leid rechtfertigt. Das ist keine Ausweichbewegung, sondern der Befund: Die Bibel bietet keine solche Erklärung an, und wer eine verspricht, verspricht mehr, als da steht.
Was sie bietet, ist etwas anderes. Darum geht es in dieser Serie.
Bevor irgendetwas anderes kommt: Wenn du gerade nicht mehr kannst, sprich bitte mit jemandem. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr da, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112.
Kein Denkverbot
Das Erste, was auffällt: Die Bibel behandelt diese Frage nicht als Angriff, den man abwehren müsste. Sie stellt sie selbst — und zwar schärfer, als es die meisten Kritiker tun.
Der Prophet Habakuk eröffnet sein Buch damit: Wie lange, HERR, habe ich gerufen, und du hörst nicht? Ich schreie zu dir über Gewalttat, und du rettest nicht. Warum lässt du mich Unheil sehen und siehst der Mühsal zu? Verwüstung und Gewalttat sind vor mir: Habakuk 1,2-4.
Das ist eine Anklage gegen Gott, gerichtet an Gott — und sie steht nicht als abschreckendes Beispiel da, sondern als prophetisches Wort.
Der Satz, der alles überbietet
Und dann gibt es einen Satz, der in dieser Frage schwerer wiegt als jedes Argument. Am Kreuz betet Jesus einen Psalm — die erste Zeile: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Psalm 22,2.
Man muss sich klarmachen, was das bedeutet. Der zentrale Satz des christlichen Glaubens über das Leid ist keine Erklärung. Es ist eine Warum-Frage, gestellt von dem, um den es geht.
Wenn dieser Ruf im Zentrum stehen darf, dann darf deiner es auch.
Was das für dich heißt
- Du musst deine Frage nicht entschuldigen. Sie ist kein Zeichen von schwachem Glauben.
- Du musst nicht erst ruhig werden, um sie stellen zu dürfen.
- Du bekommst hier keine Formel — und wenn dir jemand eine gibt, sei vorsichtig.
Wie es weitergeht
In der nächsten Mail geht es um das, was die Bibel ausdrücklich nicht sagt — und das ist der Satz, den Leidende am häufigsten zu hören bekommen: dass sie selbst schuld seien. Jesus weist diese Gleichung zweimal unmissverständlich zurück.