Zum Inhalt springen
← Alle Fragen

Er neigt sein Ohr — die Zusagen im Klartext (3/6)

Konkrete Zusagen — und eine wichtige Einschränkung, die dazugehört.

Nach der ehrlichen Seite jetzt die andere: Was wird eigentlich zugesagt?

Wem das Hören ausdrücklich gilt

Der Psalm 34 sagt es mit einer Zielgruppe, die auffällt: Die Augen des HERRN sind auf die Gerechten gerichtet und seine Ohren auf ihr Schreien. Und dann: Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind — und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er: Psalm 34,16-18.

Nicht die Souveränen. Die Zerbrochenen. Wer sich für zu kaputt hält, um gehört zu werden, hat die Adressierung genau falsch herum verstanden.

Ein Satz von jemandem, der es erlebt hat

Ein anderer Psalm ist kein Versprechen, sondern ein Bericht — und dadurch fast wärmer: Ich liebe den HERRN, denn er hört meine Stimme, mein Flehen. Denn er hat sein Ohr zu mir geneigt; und ich will ihn anrufen mein Leben lang: Psalm 116,1-2.

„Sein Ohr geneigt" ist ein körperliches Bild — jemand, der sich herunterbeugt, um etwas Leises zu verstehen. Man beugt sich nicht zu jemandem herunter, den man abfertigen will.

Und die Schlussfolgerung des Beters ist bemerkenswert praktisch: Weil er einmal gehört wurde, redet er weiter. Erfahrung erzeugt hier die Gewohnheit — nicht umgekehrt.

Die Einschränkung, die dazugehört

Es gäbe jetzt die Möglichkeit, die schönen Zusagen zu zitieren und die unbequeme wegzulassen. Das wäre unredlich, und es rächt sich später — nämlich beim ersten unerfüllten Gebet.

Deshalb der Satz, der beides enthält: Das ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben — dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, so wissen wir, dass wir das Erbetene haben: 1. Johannes 5,14-15.

Die Einschränkung „nach seinem Willen" ist kein Kleingedrucktes, das die Zusage entwertet. Sie ist der Unterschied zwischen einem Gegenüber und einem Automaten.

Ein Automat gibt zuverlässig heraus, was man eingeworfen hat — er hört aber nicht zu, und er kann einen auch nicht vor einem Fehler bewahren. Ein Gegenüber, das mitdenken darf, ist unberechenbarer und zugleich das Einzige, was den Namen „hören" verdient.

Was das jetzt heißt

  • Du bist nicht zu klein. Die Zusagen richten sich ausdrücklich an die Schwachen.
  • Du bist nicht zu spät. In den Psalmen ist niemand zu lange weg gewesen.
  • Du bekommst kein Bestellformular. Und das ist, bei Licht besehen, die bessere Nachricht.

Wie es weitergeht

Im nächsten Teil wird es praktisch: Wie betet man eigentlich? Es gibt dazu eine sehr schlichte Vorlage — und eine Zusage für die Tage, an denen einem die Worte fehlen.