Beten für Leute, die nicht wissen, wie (4/6)
Keine Formel, keine Haltung, keine Vorkenntnisse. Eine Vorlage genügt.
Heute der praktische Teil. Falls du beim Wort „beten" an gefaltete Hände und altertümliche Sprache denkst: Nichts davon ist nötig.
Was Jesus ausdrücklich abräumt
Bevor er erklärt, wie man betet, sagt er zuerst, wie man es nicht muss. Nicht öffentlich, um gesehen zu werden. Und nicht mit vielen Worten: Plappert nicht wie die von den Nationen, die meinen, sie würden um ihres vielen Redens willen erhört. Denn euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn bittet: Matthäus 6,6-13.
Das nimmt zwei Ängste weg: die, es formal falsch zu machen, und die, zu wenig zu sagen. Wenn das Gegenüber ohnehin weiß, worum es geht, ist Beten kein Vortrag, den man bestehen muss.
Der Ort ist ebenso unspektakulär: geh in dein Zimmer und schließ die Tür. Also: allein, unbeobachtet, ohne Publikum.
Die Vorlage
Direkt danach gibt er eine Vorlage — das Vaterunser. Es lohnt sich, es einmal nicht als Gedicht zu lesen, sondern als Gliederung:
- Ansprechen — „Vater". Also ein Gegenüber, kein Prinzip.
- Ihn zuerst — dass sein Name geheiligt werde, sein Reich komme, sein Wille geschehe.
- Das Nötige für heute — „unser tägliches Brot". Klein, konkret, für einen Tag.
- Vergebung — geben und nehmen.
- Bewahrung — nicht in Versuchung geraten, vom Bösen erlöst werden.
Fünf Punkte, keine Zauberformel. Man kann sie in eigenen Worten durchgehen, und das ist eher im Sinn der Sache als das Aufsagen.
Wenn die Worte fehlen
Bleibt der Fall, der die meisten betrifft: Man will, und es kommt nichts.
Dafür gibt es einen Satz, den man kennen sollte: Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an — denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt; aber er selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern: Römer 8,26.
Das heißt: Ein Gebet, das aus nichts als einem Seufzer besteht, gilt. Nicht als Notlösung, sondern ausdrücklich.
Ein Vorschlag für heute
Wenn du es ausprobieren willst, hier eine Version, die niemanden überfordert:
- Zwei Minuten. Nicht mehr. Länger schafft am Anfang kaum jemand ehrlich.
- Ein Satz, wie es dir geht. Ungeschönt.
- Ein Satz, was du brauchst. Konkret, für heute.
- Ein Satz Dank — irgendetwas, und wenn es klein ist.
Wenn du zwischendurch abschweifst: normal. Wenn es sich nach nichts anfühlt: auch normal. Das Kriterium ist nicht das Erlebnis.
Wie es weitergeht
Im nächsten Teil geht es um die schwierigste Erfahrung mit dem Beten: wenn man bittet und etwas anderes kommt als erbeten. Es gibt dazu ein Beispiel, das kaum jemand erwartet — Jesus selbst.