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Es gibt ein Gebet in der Bibel, das im Dunkeln endet (1/5)

Kein „wird schon". Erst einmal nur: das hier ist echt.

Wenn du diese Frage gewählt hast, ist es gut möglich, dass du gerade wenig Kraft hast. Deshalb vorweg: Diese Serie ist kurz — fünf Mails. Du musst nichts verstehen, nichts glauben und nichts leisten. Lies, so viel du kannst.

Bevor irgendetwas anderes kommt: Wenn du gerade denkst, dass es ohne dich einfacher wäre, dann sprich bitte jetzt mit jemandem. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr da, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112. Das ist kein Zeichen von Schwäche und kein Glaubensmangel.

Die Bibel beschönigt nichts

Was viele nicht wissen: In der Bibel steht Hoffnungslosigkeit nicht am Rand. Sie steht mitten in den Gebeten, ausformuliert, ohne Beschwichtigung.

In den Klageliedern schreibt jemand: Meine Seele ist vom Frieden verstoßen, ich habe vergessen, was gut ist. Und dann der Satz, um den es geht: Mein Halt ist dahin und meine Hoffnung auf den HERRN. Gedenke meines Elends — meine Seele erinnert sich wohl daran und ist niedergebeugt in mir: Klagelieder 3,17-20.

Das ist niemand, der Gott nicht kennt. Es ist jemand, der ihn kennt und trotzdem ganz unten ist.

Ein Gebet, das im Dunkeln endet

Noch bemerkenswerter ist ein Psalm, der in keiner Sammlung frommer Sprüche vorkommt. Er beginnt mit einem Hilferuf: HERR, Gott meiner Rettung, ich schreie Tag und Nacht vor dir. Meine Seele ist satt von Leiden, mein Leben ist dem Totenreich nahe gekommen: Psalm 88,2-4.

Und dieser Psalm dreht am Ende nicht ins Helle. Er hört im Dunkeln auf. Kein Trostschluss, keine Wendung, keine Moral.

Dass so ein Text in der Bibel steht, ist eine Aussage für sich: Es gibt offenbar Zustände, die man nicht auflösen muss, um sie vor Gott bringen zu dürfen.

Was das für dich heißt

  • Du musst dich nicht zusammenreißen, um beten zu dürfen.
  • Du musst nicht dankbar sein, um gehört zu werden.
  • Du musst nicht hoffen können, um hier weiterlesen zu dürfen.

Wenn dir Menschen gesagt haben, du müsstest positiver denken, dann haben sie es vermutlich gut gemeint. Die Bibel sagt das nicht.

Wie es weitergeht

In der nächsten Mail geht es darum, woher Hoffnung nicht kommt — und warum der Wendepunkt in den Klageliedern nichts mit Optimismus zu tun hat.

Bis dahin musst du nichts tun. Wenn du magst, nur dies: Sag jemandem, wie es dir geht. Einem Menschen. Oder einer der Nummern oben.