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Jeden Morgen neu — auch an schlechten Morgen (3/5)

Worauf sich der Beter erinnert, wenn er nichts mehr fühlt.

Letztes Mal endete es bei der Frage: Woran erinnert sich jemand, der nichts mehr fühlt?

Vorweg wie immer: Wenn es gerade zu schwer ist, ruf an — Telefonseelsorge, rund um die Uhr, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112.

Die Antwort

Sie steht direkt hinter dem Satz aus dem letzten Teil: Die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, seine Erbarmungen hören nicht auf — sie sind jeden Morgen neu; groß ist deine Treue: Klagelieder 3,22-23.

Zwei Dinge daran sind wichtiger, als sie auf den ersten Blick wirken.

Erstens die Begründung. Sie liegt nicht in den Umständen und nicht im Befinden des Beters, sondern in Gottes Treue — also in einer Eigenschaft von jemand anderem. Deshalb kann der Satz auch am schlechtesten Tag stimmen. Er hängt nicht an dir.

Zweitens der Zeitrahmen. „Jeden Morgen neu" ist eine sehr kleine Einheit. Nicht „für dein ganzes Leben gilt". Sondern: für heute. Das ist gnädig gedacht — wer am Boden liegt, kann kein Jahr überblicken. Einen Morgen vielleicht schon.

Hoffnung als Gabe, nicht als Leistung

Es gibt im Neuen Testament einen Wunsch, der genau das ausdrückt und dabei etwas Ungewöhnliches tut — er bittet um Hoffnung, statt sie zu fordern: Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seid in der Hoffnung: Römer 15,13.

Hoffnung ist hier nichts, was man produziert. Sie ist etwas, das gegeben wird. Wenn du also gerade keine hast, bist du nicht disqualifiziert — du bist der Adressat dieses Wunsches.

Woran sie festgemacht ist

Und damit das nicht schwebend bleibt: Der erste Petrusbrief macht Hoffnung an einem Ereignis fest, nicht an einer Stimmung. Gott habe uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten: 1. Petrus 1,3.

„Lebendig" heißt hier: nicht auf Wunschdenken gebaut, sondern auf etwas, das behauptetermaßen passiert ist. Man kann das prüfen und bestreiten — aber es ist eine andere Art von Fundament als „wird schon wieder".

Was du damit tun kannst

Wenig, und das genügt: Nimm den Satz „jeden Morgen neu" für morgen früh mit. Nicht für den Rest deines Lebens. Nur für morgen.

Wie es weitergeht

Im nächsten Teil geht es um die Frage, warum diese Hoffnung auch dann trägt, wenn sich lange nichts bessert — und um einen Vergleich, den man nur machen kann, wenn man das Jetzige ernst nimmt.