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Ein Vergleich, der das Jetzige nicht kleinredet (4/5)

„Jede Träne abwischen" — jemand, der Tränen zählt, nimmt sie ernst.

Heute die Frage, die sich stellt, wenn sich lange nichts bessert: Warum sollte diese Hoffnung dann tragen?

Vorweg wie immer: Wenn es gerade zu schwer ist, ruf an — Telefonseelsorge, rund um die Uhr, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112.

Ein Vergleich, kein Kleinreden

Paulus schreibt einen Satz, der leicht zu missverstehen ist: Ich halte dafür, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll: Römer 8,18.

Das klingt zunächst nach Abwertung des Jetzigen — als solle man sich nicht so anstellen.

Es ist aber ein Vergleich, kein Urteil. Und er stammt von jemandem, der nachweislich wusste, wovon er spricht: Paulus wurde ausgepeitscht, gesteinigt, erlitt Schiffbruch, saß im Gefängnis. Wer das durchgemacht hat und dann sagt, es falle im Vergleich nicht ins Gewicht, redet nicht klein — er beschreibt die andere Seite der Waage.

An anderer Stelle sagt er beides zugleich: Wir werden nicht müde, auch wenn der äußere Mensch aufgerieben wird; der innere wird Tag für Tag erneuert. Und dann: Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare — denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare ewig: 2. Korinther 4,16-18.

„Aufgerieben" ist keine Beschönigung. Der Text gibt zu, dass es zermürbt.

Das Bild, das am meisten trägt

Und dann gibt es eine Zusage, die weniger argumentiert als beschreibt. Am Ende der Bibel heißt es: Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz — denn das Erste ist vergangen: Offenbarung 21,4.

Bemerkenswert ist die Geste. Nicht „es wird gut ausgehen" als Bilanz, sondern jemand, der die Tränen einzeln abwischt. Wer Tränen abwischt, nimmt sie zur Kenntnis. Es wird also nichts übersprungen und nichts für nichtig erklärt — es wird beendet.

Was das jetzt hilft

Ehrlich: Es macht heute nicht leichter. Eine Zusage über später ist kein Schmerzmittel für jetzt.

Was es ändert, ist die Richtung. Der Unterschied zwischen „das hört nie auf" und „das hört auf, ich weiß nur nicht wann" ist gewaltig, auch wenn beide Sätze dasselbe Heute beschreiben. Menschen halten sehr viel aus, wenn es begrenzt ist. Endlosigkeit ist das eigentlich Unerträgliche.

Genau da setzt diese Hoffnung an: nicht bei der Stärke, sondern bei der Begrenzung.

Wie es weitergeht

Im letzten Teil geht es um einen Grund zum Dranbleiben — und um eine Zusage, die ausdrücklich denen gilt, die zerbrochen sind, nicht denen, die es schaffen.