Zisternen, die kein Wasser halten (3/6)
Warum jede Lösung nur kurz wirkt — und dann wieder undicht ist.
Vor der Antwort steht die Ehrlichkeit über das, was wir alle schon versucht haben. Denn niemand mit dieser Leere hat nichts unternommen.
Die drei üblichen Wege
- Mehr leisten. Wenn ich es weiter bringe, fühlt es sich richtig an. Funktioniert — bis zum Erreichen. Danach ist der Maßstab neu.
- Mehr besitzen oder erleben. Die Wohnung, die Reise, das nächste Projekt. Funktioniert — meistens für die Dauer der Vorfreude.
- Mehr Nähe. Der richtige Mensch wird es füllen. Das ist der schmerzhafteste Weg, weil er einen anderen Menschen mit einer Aufgabe belädt, die kein Mensch erfüllen kann. Viele Beziehungen zerbrechen nicht an zu wenig Liebe, sondern an zu viel Erwartung.
Keiner dieser Wege ist dumm. Sie funktionieren ja — nur eben kurz.
Das Bild, das es auf den Punkt bringt
Der Prophet Jeremia benutzt dafür ein Bild aus einer Gegend, in der Wasser über Leben entscheidet. Er lässt Gott zwei Vorwürfe machen: Sie haben mich verlassen, die Quelle lebendigen Wassers — und sich Zisternen ausgehauen, rissige Zisternen, die kein Wasser halten: Jeremia 2,13.
Der Unterschied zwischen Quelle und Zisterne ist der ganze Punkt. Eine Quelle liefert nach. Eine Zisterne ist ein Vorratsbehälter — sie hat genau so viel, wie man hineingetan hat, und wenn sie Risse hat, ist sie morgen wieder leer.
Genau so verhalten sich unsere Lösungen. Man muss sie ständig nachfüllen. Und man merkt es immer erst, wenn man erschöpft ist.
Die Geschichte vom Mann, der fertig war
Jesus erzählt dieselbe Sache als kurze Geschichte. Ein wohlhabender Bauer hat eine so gute Ernte, dass die Scheunen nicht reichen. Er beschließt, größere zu bauen, und sagt dann den Satz, auf den er sein Leben lang hingearbeitet hat: Seele, du hast viel Vorrat auf viele Jahre — ruhe dich aus, iss, trink, sei fröhlich.
In derselben Nacht ist er tot. Und die Frage, die bleibt, ist unsentimental: Wem wird gehören, was du bereitet hast? Lukas 12,16-21.
Die Pointe ist nicht, dass Vorsorge falsch wäre. Die Pointe ist der Zeitpunkt: Er hatte den Punkt erreicht, an dem es genug sein sollte — und auch dort war es nicht genug, weil das Erreichte die Frage gar nicht beantworten konnte, die er eigentlich hatte.
Was das nahelegt
Wenn alle Wege, die von dir ausgehen, dasselbe Muster zeigen — kurze Wirkung, dann wieder leer —, dann liegt der Verdacht nahe, dass das Problem nicht in der Auswahl liegt, sondern in der Richtung. Alle diese Kuren haben gemeinsam, dass du sie beschaffst.
Eine Quelle beschafft man nicht. Man findet sie.
Wie es weitergeht
Im nächsten Teil geht es um genau diese Behauptung: dass es ein Wasser gibt, nach dem man nicht wieder dürstet. Der Satz stammt aus einem Gespräch am Brunnen — mit einer Frau, deren Leben ziemlich genau von den Kuren aus diesem Teil handelte.