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Ein Wasser, nach dem man nicht wieder dürstet (4/6)

Das Gespräch am Brunnen — mit jemandem, der es schon oft versucht hatte.

Letztes Mal endete es beim Unterschied zwischen Zisterne und Quelle. Heute die Behauptung, die dazu gehört.

Mittags am Brunnen

Die Szene ist unauffällig und dadurch umso genauer. Eine Frau kommt in der Mittagshitze zum Brunnen — eine ungewöhnliche Zeit, denn Wasser holt man morgens, gemeinsam. Wer mittags kommt, kommt allein, und meistens hat das Gründe. Ihre stehen später im Text: mehrere gescheiterte Ehen, eine aktuelle Beziehung, die keine ist.

Sie hat, mit anderen Worten, die Kuren aus dem letzten Teil gründlich durchprobiert.

Jesus bittet sie um Wasser, und aus dem Gespräch wird schnell etwas anderes. Er sagt: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten — es wird in ihm zu einer Quelle werden: Johannes 4,13-14.

Beachte, wohin die Quelle kommt: nicht neben ihn, sondern in ihn. Es geht nicht um einen weiteren Vorrat, den man verwalten muss. Es geht um etwas, das nachliefert.

Die zweite Zusage

Dieselbe Aussage macht er an anderer Stelle mit dem Bild vom Essen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten: Johannes 6,35.

Das ist eine erstaunlich unbescheidene Behauptung. Er sagt nicht, er habe eine Methode, die hilft. Er sagt, er sei das, wonach der Hunger sucht.

Man kann das für Größenwahn halten — aber wenn Teil 2 stimmt und die Leere auf etwas Unendliches ausgelegt ist, dann ist genau das die einzige Art von Antwort, die überhaupt in Frage käme. Ein Ratgeber würde nicht reichen.

Wie sich das anfühlt

Damit das nicht abstrakt bleibt: Ein Psalm beschreibt es aus der Innenperspektive von jemandem, der es kennt. Er beginnt wieder mit Durst — in einem dürren Land ohne Wasser — und geht dann über in etwas anderes: dass Gottes Güte besser sei als Leben, und dass die Seele satt werde wie von Mark und Fett: Psalm 63,2-4.

Sättigungssprache. Nicht Verzicht, nicht Askese — sondern die Beschreibung eines Menschen, der endlich etwas gefunden hat, das der Größe seines Hungers entspricht.

Ein ehrlicher Vorbehalt

Es wäre unredlich, hier zu behaupten, dass danach nie wieder ein leerer Abend kommt. Die Bibel selbst behauptet das nicht — sonst wären ihre Klagepsalmen unerklärlich. Was sie behauptet, ist etwas anderes: dass es einen Grund gibt, der auch dann trägt, wenn das Gefühl gerade nicht mitspielt.

Wie es weitergeht

Und trotzdem bleibt eine Frage, an der die meisten hängen: Wenn das Angebot so gut ist — warum greift man dann nicht einfach zu? Darum geht es im nächsten Teil, und die Antwort hat weniger mit Zweifel zu tun, als man denkt.