Komm mit deiner Erschöpfung (6/6)
Die Einladung gilt nicht den Zufriedenen. Sie gilt den Müden.
Sechs Wochen, eine Frage: Warum bin ich so leer, obwohl ich alles habe? Der Weg in einem Absatz: Einer hat den Versuch mit allen Mitteln gemacht und blieb leer. Die Leere ist kein Defekt, sondern die erwartbare Folge einer Bauweise, die auf mehr angelegt ist als alles Endliche. Unsere üblichen Kuren sind Zisternen — sie halten nichts nach. Das Angebot ist eine Quelle, die nachliefert. Und schwer ist nicht das Verstehen, sondern das Zugeben und das Öffnen.
Heute: wie ein Anfang aussieht.
Wem die Einladung gilt
Der bekannteste Satz dazu ist bemerkenswert genau adressiert: Kommt zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen — ich werde euch Ruhe geben: Matthäus 11,28.
Nicht die Zufriedenen. Nicht die, die es geregelt haben. Die Müden. Wenn du das Gefühl hast, für so etwas nicht in der richtigen Verfassung zu sein, ist das genau die Verfassung, von der hier die Rede ist.
Und was am Ende steht, ist keine Askese, sondern das Gegenteil: Fülle von Freuden vor seinem Angesicht, heißt es in einem Psalm, Lieblichkeit zu seiner Rechten immerdar: Psalm 16,11.
Der Schritt
Er braucht keine Vorkenntnisse und keine besondere Stimmung:
- Zugeben, dass die eigenen Vorräte es nicht gefüllt haben. Ohne Selbstvorwurf — es ist keine Schande, endlich zu sein.
- Vertrauen, dass Jesus das ist, wonach die Sehnsucht sucht, und nicht bloß eine weitere Methode.
- Öffnen. Ihn hereinbitten — die Tür geht nur von innen auf.
Wenn du das willst, kannst du es jetzt tun — mit eigenen Worten oder ungefähr so: „Jesus, ich habe vieles versucht und bin immer noch leer. Ich glaube, dass du das bist, wonach ich eigentlich suche. Vergib mir, dass ich es ohne dich versucht habe. Komm in mein Leben und fülle, was ich nicht füllen kann. Danke, dass ich kommen darf, wie ich bin." Kein Zauberspruch — Gott hört auf das Herz, nicht auf die Formulierung.
Und danach? Erwarte keinen dauerhaften Hochgefühl-Zustand; das wäre wieder eine Zisterne. Was wächst, ist etwas Ruhigeres: reden (Gebet, einfach ehrlich), zuhören (fang mit dem Johannesevangelium an, eine halbe Seite am Tag), und nicht allein bleiben — Leere wächst in Isolation am besten. Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Melde dich bei uns, wir stellen gern einen Kontakt in deiner Nähe her.
Ein Wort zur Vorsicht
Wenn die Leere sehr schwer ist — wenn du morgens nicht aufstehen magst, nichts mehr Freude macht oder Gedanken kommen, dass es ohne dich einfacher wäre —, dann ist das mehr als die Frage dieser Serie. Das ist kein Glaubensmangel, sondern etwas, wofür es Hilfe gibt. Sprich mit deinem Hausarzt, oder ruf die Telefonseelsorge an: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 — kostenlos, rund um die Uhr, anonym.
Du darfst. Du musst nicht.
Vielleicht bist du noch nicht so weit. Auch das ist eine redliche Antwort — eine erzwungene Öffnung wäre keine. Dann nimm wenigstens das mit: Deine Leere ist kein Fehler an dir. Sie ist ein Hinweis. Und der, auf den sie zeigt, steht vor der Tür und wartet, so lange es dauert.
Danke, dass du bis hierher mitgegangen bist.