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Klagen und bleiben schließen sich nicht aus (6/6)

Der Hunger nach Gerechtigkeit ist kein Mangel an Glauben.

Sechs Wochen, eine Frage: Warum geht es den Rücksichtslosen so gut? Der Weg in einem Absatz: Der Protest ist erlaubt — er steht wörtlich in der Bibel, von jemandem, der fast alles hingeworfen hätte. Die Texte beschönigen nichts. Eine Formel, die das Problem auflöst, gibt es nicht, und der Psalm gibt offen zu, dass Nachdenken nicht half. Was sich änderte, war der Ort: die Gegenwart Gottes statt der Blick auf die anderen. Und das Endurteil ist ausdrücklich nicht deine Aufgabe.

Heute: was man damit macht.

Das „Dennoch"

Der Kern des Psalms steht in zwei Versen, die man nebeneinander lesen muss: Wen habe ich im Himmel außer dir? Und neben dir habe ich an nichts Lust auf der Erde. Verschmachtet mein Fleisch und mein Herz — Gott ist der Fels meines Herzens und mein Teil auf ewig: Psalm 73,25-26.

Das ist kein Jubel. „Verschmachtet mein Fleisch und mein Herz" heißt: Es geht mir immer noch schlecht. Beides steht nebeneinander, und das ist der ganze Punkt dieser Serie: Man muss nicht erst zufrieden sein, um zu bleiben.

Der Hunger ist die Voraussetzung

Und für alle, die befürchten, dieser Weg verlange, sich mit Unrecht abzufinden — der Gegensatz steht bei Jesus: Glücklich, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden: Matthäus 5,6.

Er nennt den Hunger nach Gerechtigkeit nicht als Problem, sondern als Kennzeichen. Wer sich mit Unrecht arrangiert hat, ist in diesem Satz nicht gemeint.

Deine Empörung ist also nicht das, was du loswerden musst. Was du loswerden darfst, ist die Zuständigkeit für die Abrechnung — und die Gewohnheit, ständig hinzusehen.

Der Schritt

Er braucht keine Vorkenntnisse:

  1. Es aussprechen. Gott sagen, was dich empört. Ungefiltert. Psalm 73 ist die Vorlage, nicht die Ausnahme.
  2. Die Abrechnung abgeben. Nicht die Gerechtigkeit — das Endurteil.
  3. Den Ort wechseln. Nicht mehr nachrechnen, sondern reden. Die Wende im Psalm kam nicht durch bessere Argumente.

Wenn du das willst, kannst du es jetzt tun — mit eigenen Worten oder ungefähr so: „Gott, mich empört, was ich sehe, und ich verstehe es nicht. Ich gebe dir das Urteil zurück, das mir nicht zusteht. Sei du mein Teil, auch solange sich nichts ändert. Danke, dass ich mit meinem Ärger kommen darf." Kein Zauberspruch — Gott hört auf das Herz, nicht auf die Formulierung.

Und danach? Der alte Blick kommt zurück, oft schon beim nächsten Anlass. Was hilft: reden (Gebet, ehrlich, auch zornig), zuhören (Psalm 37 und 73 sind hierfür die passenden Texte), und nicht allein bleiben — Bitterkeit wächst in Isolation am besten. Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Melde dich bei uns, wir stellen gern einen Kontakt in deiner Nähe her.

Du darfst. Du musst nicht.

Vielleicht überzeugt dich das nicht — weil es die Ungerechtigkeit nicht beseitigt. Das ist ein redlicher Einwand, und diese Serie hat ihn nicht widerlegt. Dann nimm wenigstens das mit: Deine Empörung ist kein Fehler. Und du bist nicht der Erste, der mit ihr betet statt trotz ihr.

Danke, dass du bis hierher mitgegangen bist.