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Wenn der Boden weg ist (1/5)

Für diesen Zustand gibt es in der Bibel eine eigene Sprache.

Es gibt Zeiten, da hält nichts mehr still. Eine Diagnose. Eine Trennung. Ein Anruf. Und plötzlich ist das, worauf man stand, einfach nicht mehr da.

Wenn das gerade dein Zustand ist, dann zuerst dies: Du musst hier nichts verstehen und nichts leisten. Diese Serie ist bewusst kurz — fünf Mails, keine Argumentationskette. Wer fällt, braucht keinen Vortrag.

Die Bibel hat Worte für ganz unten

Was viele überrascht: Für genau diesen Zustand gibt es in der Bibel eine eigene, ungeschminkte Sprache. Sie steht nicht am Rand, sondern mitten in den Gebeten.

Ein Beter schreibt: Rette mich, Gott, denn die Wasser sind bis an die Seele gekommen. Ich bin versunken in tiefen Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in Wassertiefen geraten, und die Flut überströmt mich: Psalm 69,2-3.

„Wo kein Grund ist." Das ist genau das Gefühl: nicht Schmerz allein, sondern das Fehlen von etwas, worauf man den Fuß setzen könnte.

An anderer Stelle heißt es: Eine Flut ruft der anderen beim Rauschen deiner Wassergüsse; alle deine Wogen und Wellen sind über mich hingegangen: Psalm 42,8.

Warum das wichtig ist

Diese Texte stehen nicht in der Bibel, weil jemand vergessen hätte, sie herauszunehmen. Sie stehen da, weil sie gebraucht werden.

Das heißt zweierlei:

  • Du musst nicht tapfer sein. Es gibt keinen Zustand, der zu dunkel wäre, um ihn auszusprechen. Die Klage ist hier eine erlaubte Form des Redens mit Gott, keine Schwäche.
  • Du bist nicht der Erste. Diese Sätze sind alt. Menschen sind vor dir da durchgegangen und haben es aufgeschrieben — nicht als Rückblick von der sicheren Seite, sondern mittendrin.

Was diese Serie tun wird

Fünf kurze Schritte. Heute: hinsehen, was ist. Dann: was ehrlicherweise nicht trägt. Dann: was trägt. Dann: warum es auch dann hält, wenn man nichts davon spürt. Und am Ende ein Halt zum Ausprobieren.

Kein Argument, keine Bedingung. Wenn du zwischendurch nicht kannst, lies nicht. Die Mails laufen dir nicht weg.

Ein Wort zur Vorsicht

Wenn es gerade so schwer ist, dass du nicht weiterweißt — wenn Gedanken kommen, dass es ohne dich einfacher wäre —, dann hol dir bitte Hilfe. Das ist kein Glaubensmangel, sondern vernünftig. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112.

Wie es weitergeht

In der nächsten Mail geht es um etwas, das man in dieser Lage schmerzhaft genau merkt: welche Halte reißen, wenn es ernst wird. Nicht, um sie schlechtzumachen — sondern damit du nicht denkst, es hätte an dir gelegen.