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„Ich spüre davon nichts" — und trotzdem (4/5)

Ein Beter sagt beides in einem Satz: Mein Herz verschmachtet — und Gott ist mein Fels.

Der ehrlichste Einwand gegen alles bisher Gesagte lautet: Schön. Ich merke nichts davon.

Ein Satz, der beides sagt

Genau dieser Einwand steht in der Bibel selbst — und zwar nicht als Frage, sondern als Aussage, die beides zugleich stehen lässt: Verschmachtet mein Fleisch und mein Herz — Gott ist der Fels meines Herzens und mein Teil auf ewig: Psalm 73,26.

Der Beter behauptet nicht, es gehe ihm gut. Er sagt, dass er am Ende ist und dass da ein Fels ist. Beides im selben Vers, ohne Widerspruch.

Das ist der ganze Punkt dieses Teils: Der Halt hängt nicht daran, dass du ihn spürst. Ein Boden trägt auch den, der bewusstlos darauf liegt.

Warum das keine Vertröstung ist

Der Unterschied zwischen Trost und Vertröstung liegt darin, ob etwas außerhalb des Gefühls behauptet wird oder nicht. „Kopf hoch, wird schon" ist Vertröstung — es appelliert an dein Gefühl und hat sonst nichts.

Hier wird etwas anderes behauptet: ein Sachverhalt. Paulus formuliert ihn als Aufzählung von allem, was denkbar dazwischenkommen könnte: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf wird uns scheiden können von der Liebe Gottes: Römer 8,38-39.

In dieser Liste fehlt etwas Bemerkenswertes: dein Zustand. Er kommt nicht vor — weder deine Kraft noch dein Glaube noch dein Gefühl stehen unter den Dingen, an denen es hängen könnte.

Mitten hindurch, nicht daran vorbei

Und weil das immer noch abstrakt sein kann, hier eine Zusage, die die Lage genau so beschreibt, wie sie ist: Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir; und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden: Jesaja 43,2.

Beachte die Präposition. Nicht „an Wasser und Feuer vorbei". Hindurch. Der Text nimmt an, dass das Schwere kommt und dass man mitten hineingerät.

Das ist weniger, als man sich wünscht. Es ist zugleich das Einzige, was nach einer echten Krise noch glaubwürdig ist — jede Zusage, die Unglück ausschließt, wäre beim ersten Unglück widerlegt.

Was du damit tun kannst

Nichts Großes. Nimm einen dieser Sätze und leg ihn dir hin, wie man sich einen Zettel an den Spiegel klebt. Nicht um ihn zu fühlen. Um ihn zu haben, wenn nichts anderes da ist.

Und wenn du gerade nicht beten kannst: Das ist erlaubt. In der Bibel gibt es Gebete, die aus nichts als einem Hilferuf bestehen.

Ein Wort zur Vorsicht

Wenn es gerade nicht mehr geht: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym — 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112.

Wie es weitergeht

Im letzten Teil geht es um einen Halt zum Ausprobieren — klein genug, dass er auch an einem schlechten Tag geht.