Niedergeworfen, aber nicht vernichtet (4/6)
Der Unterschied zwischen „am Boden" und „am Ende".
Heute geht es um Kraft — und ausdrücklich nicht um deine.
Vorweg wie immer: Wenn es gerade zu schwer ist, ruf an — Telefonseelsorge, rund um die Uhr, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112.
Vier Gegensatzpaare
Paulus beschreibt seinen eigenen Zustand in einer Reihe, die jeden Satz zur Hälfte zugibt: Von allen Seiten bedrängt, aber nicht erdrückt; ratlos, aber nicht verzweifelt; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet: 2. Korinther 4,8-9.
Beachte, was er nicht tut: Er streicht die erste Hälfte nicht. Er ist wirklich bedrängt, wirklich ratlos, wirklich am Boden. Die Zusage steht nicht anstelle des Zustands, sondern daneben.
Das ist der Unterschied zwischen am Boden und am Ende. Am Boden sein heißt nicht, dass es aus ist.
Der Satz, den er dazu bekommen hat
Wie es dazu kam, erzählt er wenige Kapitel später. Er hatte um Befreiung von einem Leiden gebeten, dreimal. Was er bekam, war keine Heilung, sondern eine Antwort: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht: 2. Korinther 12,9.
Das ist ein Satz, den man nur ertragen kann, wenn man ihn richtig herum liest. Er sagt nicht, dass Schwachheit gut sei oder dass man sie nicht bekämpfen solle. Er sagt, dass sie kein Ausschlusskriterium ist — dass ausgerechnet dort etwas ankommt.
Die Zusage für die Erschöpften
Und dann gibt es einen Text, der genau die beschreibt, die nichts mehr haben: Er gibt dem Müden Kraft und dem Unvermögenden mehrt er die Stärke. Jünglinge ermüden und ermatten, und junge Männer straucheln und fallen — aber die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: Sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht: Jesaja 40,29-31.
Der mittlere Teil wird oft überlesen und ist der wichtigste: Auch die Starken fallen. Der Text stellt nicht Starke gegen Schwache. Er sagt, dass die eigene Kraft grundsätzlich endlich ist — bei allen. Die Frage ist nur, ob daneben noch etwas anderes steht.
Was du damit tun kannst
Erwarte kein Kraftgefühl. „Harren" ist im Text kein Aktivwort — es heißt eher: dableiben, warten, nicht weglaufen.
Praktisch heißt das an einem schlechten Tag: aufstehen, etwas essen, einen Menschen anrufen, den Tag hinter sich bringen. Das ist keine kleine Version von Glauben. In dieser Lage ist es die ganze.
Wie es weitergeht
Im nächsten Teil geht es um die Portionsgröße — und darum, warum „einen Tag nach dem anderen" nicht bloß ein Kalenderspruch ist, sondern wörtlich so dasteht.