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So viel wert wie deine letzte Leistung? (1/6)

Die Rechnung geht nie auf — und trotzdem rechnen wir weiter.

Es gibt einen Satz, den kaum jemand laut sagt und fast jeder mit sich herumträgt: „Ich bin so viel wert, wie ich leiste." Man merkt ihn nicht, solange es läuft. Man merkt ihn, wenn es nicht läuft — nach der Absage, nach der Krankschreibung, nach dem Tag, an dem man nichts geschafft hat und sich dafür schämt.

Du hast diese Frage ausgewählt: Muss ich mir meinen Wert verdienen? In den nächsten Wochen bekommst du dazu sechs Mails. Keine Beschwichtigung, sondern ein ehrlicher Gedankengang — du darfst an jeder Stelle widersprechen.

Die Rechnung, die nie aufgeht

Das Tückische an dieser Rechnung ist nicht, dass sie hart wäre. Es ist, dass sie kein Ergebnis hat. Es gibt keinen Punkt, an dem genug geleistet ist. Jede erreichte Stufe wird zur neuen Grundlinie, ab der wieder gemessen wird.

Und sie ist nie eine Rechnung mit dir allein. Schon vor bald dreitausend Jahren notiert der Prediger nüchtern, woher die meiste Mühe eigentlich kommt: aus dem Wettbewerb mit dem Nächsten — einer will mehr sein als der andere: Prediger 4,4. Er nennt das einen Hauch, ein Haschen nach Wind. Nicht, weil Arbeit schlecht wäre. Sondern weil ein Wert, der aus dem Vergleich stammt, immer nur geliehen ist — bis der Nächste vorbeizieht.

Zwei Schwestern, ein alter Streit

Im Neuen Testament gibt es eine kurze Szene, die genau diesen Nerv trifft. Jesus ist zu Gast. Marta arbeitet — sie sorgt, deckt, organisiert, tut also das Richtige. Ihre Schwester Maria sitzt einfach da und hört zu. Marta beschwert sich, und das völlig nachvollziehbar: Sie leistet, Maria nicht.

Die Antwort, die sie bekommt, ist keine Absage an die Arbeit, sondern eine an die Panik dahinter: Sie sorge und beunruhige sich um vieles — Maria aber habe das Bessere gewählt, und das werde ihr nicht genommen: Lukas 10,38-42.

Bemerkenswert ist, wer hier gelobt wird: die, die gerade nichts vorzuweisen hat.

Warum das keine Kleinigkeit ist

An dieser Frage hängt mehr als ein Gefühl. Sie entscheidet darüber,

  • ob du Ruhe kennst oder nur Pausen zwischen zwei Anstrengungen,
  • wie du Menschen ansiehst, die weniger können als du,
  • und was von dir übrig bleibt, wenn du eines Tages nichts mehr leisten kannst.

Denn genau das kommt — durch Krankheit, Alter, einen Zufall. Ein Wert, der auf Leistung steht, hat ein Verfallsdatum. Und meistens erfährt man es zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Wie es weitergeht

In der nächsten Mail geht es um die naheliegende Gegenfrage: Wenn Wert nicht aus Leistung kommt — woher dann? Es gibt darauf eine sehr alte Antwort, und sie ist überraschend konkret.

Bis dahin, wenn du magst, eine kleine Beobachtungsaufgabe: Achte diese Woche darauf, wann du dich klein fühlst. Und frag dich, mit wem oder womit du dich in diesem Moment gerade verglichen hast.