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Jesus weint am Grab eines Freundes (1/6)

Bevor irgendetwas über Hoffnung gesagt wird: Der Schmerz ist echt.

Wenn du diese Frage gewählt hast, hast du wahrscheinlich jemanden verloren. Vielleicht vor Jahren, vielleicht vor Wochen.

Deshalb zuerst etwas, das keine Antwort ist: Es tut mir leid. Diese Serie wird versuchen, ehrlich zu sein — auch dort, wo Ehrlichkeit weniger tröstlich klingt als das Übliche.

Wenn die Trauer gerade zu schwer wird: Es gibt Trauerbegleitung, und es gibt die Telefonseelsorge — rund um die Uhr, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In akuter Gefahr: 112. Sich Hilfe zu holen ist bei Trauer kein Zeichen von Schwäche, sondern normal.

Was in dieser Serie nicht passieren wird

Zwei Dinge, die Trauernden oft begegnen und die beide verletzen:

  • Kein Überversprechen. Ich werde dir nicht garantieren, dass du deinen Menschen wiedersiehst. Es gibt in der Bibel keinen Lehrtext, der das für konkrete Angehörige zusagt — und wer so tut, geht über das hinaus, was dasteht.
  • Kein kühles Bedingungen-Aufzählen. Genauso wenig werde ich dir vorrechnen, unter welchen Umständen es vielleicht nicht gilt. Das ist an einem Grab die Grausamkeit in Person.

Was bleibt, ist etwas dazwischen: begründete Hoffnung. Das ist weniger als eine Garantie und deutlich mehr als nichts. Ob dir das reicht, kann ich dir nicht abnehmen.

Gott nimmt den Schmerz ernst

Bevor irgendetwas über Hoffnung gesagt wird, gehört das hierher.

Als Jesus zum Grab seines Freundes Lazarus kommt, weint dessen Schwester. Und dann steht dort etwas, das man in einem religiösen Text nicht erwartet: Er wurde im Geist erschüttert und erregte sich selbst — und dann, in zwei Worten, der kürzeste Vers der Bibel: Jesus weinte: Johannes 11,33-35.

Man muss sich das klarmachen: Er weiß in diesem Moment, dass er Lazarus gleich zurückrufen wird. Er weint trotzdem.

Das heißt: Trauer wird hier nicht dadurch entwertet, dass es eine Hoffnung gibt. Beides steht nebeneinander. Wer dir sagt, du dürftest als Glaubender nicht so traurig sein, hat diese Stelle nicht gelesen.

Und die Zusage für Zerbrochene

Dazu der Vers, der in mehreren dieser Serien vorkommt, weil er so oft gebraucht wird: Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er: Psalm 34,19.

Nicht den Gefassten. Den Zerbrochenen.

Wie es weitergeht

In der nächsten Mail geht es um die Grenze — was ehrlicherweise niemand garantieren kann. Und um den einen Satz, den Paulus ausgerechnet Trauernden geschrieben hat.